Kleintierzuchtverein Z280 Gundelsheim
Kleintierzuchtverein Z280 Gundelsheim

Schiess-stand

Ab 1936 wurde vom Reichsarbeitsdienst, dem NSKK, der SA, HJ und weiteren Organisationen des Dritten Reiches am Waldrand von Gundelsheim in Richtung Tiefenbach eine Schießanlage für Pistole, KK und Karabiner errichtet.

1938 wurde der Schießstand feierlich eröffnet. Aber bereits 1939 soll der Betrieb auf der Schießanlage zum Erliegen gekommen sein. In den Wintermonaten 1939/40 und 1940/41 sind durch Wassereinbrüche die Zeigerstände auf der Pistolenbahn, der 50m-, 100m- und 175m-Bahn eingefroren und eingefallen, so dass mit größeren Ausgaben die Anlagen wieder hergestellt werden müssen. Der Ortsgruppenleiter Illig bittet im Mai 1941 u.a. den Kreisleiter Drautz, die Stadtgemeinde bei der Verteilung moderner Schießanlagen berücksichtigen zu wollen. Im gleichen Schreiben wird um eine dreifache Zugvorrichtung gebeten. Eventuell wäre die Stadtgemeinde auch bereit, einen Teil dieser Vorrichtung zu bezahlen.
Zur Behebung der Schäden ging im September 1941 von der Fa. Essig Kühne der Betrag von 500,- RM zur Wiederherstellung der Schießstände ein.
Aus den noch zugänglichen Dokumenten ist die Nutzung des Schießstandes nach 1939 nicht eindeutig nachzuvollziehen. Am 16. Juli 1945 stellt der Bürgermeister Teufel von Gundelsheim in einem Schreiben an den Landrat von Heilbronn fest, dass
„nach dem Ende des Schießbetriebes 1939 die Anlage einesteils zum Rübenanbau für die Farrenhaltung verwendet wurde, der andere größere Teil erhielt eine Brombeeranlage, die der Stadtkasse jährlich einen ansehnlichen Betrag abwirft. 1944 waren dies 450.- RM und auch im Jahr 1945 wird mit 8 Ztr. Brombeeren im Wert von ca. 320.- RM gerechnet, und dies ohne Wartung und Pflege.“

Nach Kriegsende bat G. Stahl als ehemaliger Besitzer um Überlassung bzw. direkten Ankauf des Schießstandgeländes mit Schießhaus, um daraus eine Schweinzucht- und Schweinemastanlage auszubauen. Dies sollte ohne Gestellung fremder Baustoffe durchgeführt werden. Zur Begründung führte G. Stahl an, dass er seinen heimkehrenden Söhnen eine Existenz geben möchte und dass er andererseits der völlig abgewirtschafteten Landwirtschaft am Wiederaufbau helfen wolle.

Bürgermeister Teufel lehnte diesen Antrag ab, da die Stadt aufgrund des Kaufvertrages vom 27.5.1935 rechtmäßige Eigentümerin der Grundfläche geworden sei. Er weist in diesem Antwortschreiben auf den Wert der Anlage über die Brombeerernte hin. Das Gelände solle künftig eingeebnet und außer mit Brombeeren auch noch mit Johannisbeeren und ähnlichen Sträuchern bestückt werden. 
„Die dort geernteten Beeren können dann bei weitem nicht in vollem Umfang in Gundelsheim abgesetzt werden. Damit ist aber nicht nur die Rentabilität des Platzes erwiesen sondern auch die volkswirtschaftlich sehr wertvolle Ausnutzung desselben, da die Einwohnerschaft von Gundelsheim die Beerenernte auf dem Platze nicht vermissen möchte, weil es eine sehr wirksame Hilfe für dieselbe auf dem Gebiete der eingedünsteten Früchte bildet.“

Nach dem Krieg wurde das frühere Schießhaus als Wohngebäude genutzt. Es gab keinen Wasseranschluss und die Wohnbedingungen waren eher recht bescheiden. Der Mietpreis für diese Wohnung betrug bis zum 31.8.1948 monatlich 50.- RM.
In den Beschreibungen der damaligen Zeit wird dargestellt,
„dass es sich hier um kein eigentliches Wohngebäude handelt, der Bau wird als Notwohnung genützt, im großen und ganzen aber mehr ein primitiver Bau, dessen Zustand jedoch als zufriedenstellend anzusprechen ist. Reparaturen am Dach und an der Abortanlage werden im laufenden Jahr durchzuführen sein“ (aus: Amt für Vermögenskontrolle Heilbronn, Prüfbericht vom 31.3.1950). 

1962 taucht in den Protokollnotizen des Kleintierzuchtvereins erstmals der Begriff „Schießstand“ auf. In einer Mitgliederversammlung vom 11.5.1962 wird erörtert,
„dass der im Gemeindebesitz sich befindende Schießstand zur Verpachtung frei geworden ist. Der Vorschlag wird gemacht, dass sich unser Verein darum bewerben sollte. Da bei unserem Verein sowieso geeignete Räume fehlten und der Schießstand auch genügend Platz aufweist für einige unserer Züchter, dort ihre Zuchttiere zu halten. So wurde unsere Vorstandschaft beauftragt, sich um eine Pachtangelegenheit bei der hiesigen Gemeinde zu bewerben.“ 

Bei der nächsten Versammlung vom 7.6.1962 ist bereits nachzulesen, dass eine Besprechung im Bürgermeisteramt stattgefunden hat und dass der Gemeinderat sich positiv zum Anliegen des Kleintierzuchtvereins äußerte. Ein Pachtvertrag müsse abgeschlossen werden, in welchem die Einzelheiten der Nutzung und dgl. geregelt seien.

Seit 1. Juli 1962 ist nun der Kleintierzuchtverein Z280 Gundelsheim Pächter des Schießstandgeländes. Der Vertrag war zunächst auf 10 ½ Jahre angelegt und wurde bisher immer vertragsgerecht verlängert.

Das Hauptgebäude des Schießstandes wurde in verschiedenen Etappen in ein Züchterheim mit Gaststättenbetrieb umgestaltet und ausgebaut.

Aus dem ehemaligen Pistolenstand wurde zwischen 1962 und 1967 unsere Ausstellungshalle umgebaut.

Auf dem eigentlichen Schießstandgelände entstand in den letzten 8 Jahren eine Zuchtanlage mit 6 Zuchthäusern, die nach modernsten Anforderungen der Kleintierzucht errichtet wurden.

Der Kleintierzuchtverein hat mit dem ehemaligen Schießstand eine ideale Anlage für die Kleintierzucht und auch für die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Vereins errichtet und möchte auch in Zukunft diese Nutzung beibehalten. Damit wird der Name oder die Bezeichnung „Schießstand“ auch weiterhin mit dem Kleintierzuchtverein Z280 Gundelsheim in Verbindung bleiben.

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